Outare Kokobissi im marineblauen Anzug
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„Sauberes Wasser für Afrika war immer schon mein Ziel.“

 
Für Outare Kokobissi, KSB-Regionalleiter Westafrika, ging es bei Pumpen immer schon um mehr als um Technologie, nämlich um Wasser, Entwicklung und Verantwortung. In diesem Interview erzählt er davon, wie ihn sein Leben von Togo nach Deutschland und wieder zurückgeführt hat, was er auf dem Weg alles gelernt hat und wie die Zukunft von KSB in Westafrika aussieht.
Stream of Stories: Herr Kokobissi, Ihre Laufbahn bei KSB begann in den 1990er Jahren, als Sie für Ihr Studium von Afrika nach Deutschland zogen. Wie fühlte es sich an, sich einer so anderen Kultur anzupassen?
Outare Kokobissi: Es war eine echte Herausforderung, aber eine sehr positive! Ich bin in Togo in Westafrika geboren und zum Studieren nach Deutschland gegangen, weil das Land einen so guten Ruf im Maschinenbau hat. Ich konnte damals schon Englisch und Französisch, aber weil der gesamte Unterricht auf Deutsch war, hat mir das nicht viel geholfen. Ich musste erstmal ein Jahr lang die Sprache lernen und viel Organisatorisches erledigen, bevor ich überhaupt Vorlesungen besuchen konnte.
Die Kultur war schon sehr anders als in meiner Heimat. In Afrika hört man Menschen oft laut sprechen und lachen. In Deutschland sind die Menschen dagegen sehr ruhig; gleichzeitig fand ich sie auch sehr freundlich und offen. Sie haben mich willkommen geheißen und sich für meinen Hintergrund interessiert. Ich habe zum Beispiel fast vier Jahre bei einer deutschen Familie gewohnt und erinnere mich sehr gerne an diese Zeit.
Warum Deutschland? Wäre es nicht einfacher gewesen, in Frankreich zu studieren, weil Sie doch schon Französisch konnten?
Das stimmt natürlich, aber jeder kennt Deutschlands guten Ruf für Maschinenbau. In Deutschland zu studieren, war schon immer mein Traum. Es war genau das, was ich immer schon wollte.
Woher rührt Ihr Interesse für Pumpen und Wassertechnik?
Ich hatte schon immer vor, mich auf Pumpen zu spezialisieren. Denn Wasser ist Leben. Und genau das war es, was die Menschen in Afrika zu der Zeit brauchten. Sie brauchten keine Autos oder Turbinen, sondern einen grundlegenden Zugang zu Wasser. Damals musste das Wasser in Afrika noch aus einen Fluss geholt werden. Bei Regen floss alles Mögliche in den Fluss, und das mussten die Menschen dann trinken.
Als junger Ingenieur mit Studienschwerpunkt Konstruktion von Maschinenbauteilen an der National Engineering School von Sfax in Tunesien habe ich mich dazu entschieden, mich im Bereich Strömungsmaschinen weiter zu spezialisieren. Dort hatte ich die Möglichkeit, mein Institut nach dem Abendunterricht mit der Durchführung von Messungen an Maschinen im Prüffeld zu unterstützen. Durch diesen Einsatz wurde ich am Institut bekannt und konnte eine engere Beziehung zu meinem Dozenten aufbauen.
Ich hatte das große Glück, zu einer kleinen Zahl von Top-Studenten zu gehören, die ein Stipendium von der KSB-Stiftung erhielten. Damals kannte ich KSB noch gar nicht. Ich habe meinem Dozenten erzählt, dass ich mich für ein Praktikum bei einem Pumpenhersteller interessiere. Nach einem Treffen mit verschiedenen Pumpenherstellern in Frankfurt gab er mir die Visitenkarte von jemandem bei KSB. Ich habe mich für ein Praktikum beworben und wurde für sechs Monate in der Abteilung für Energieprodukte eingesetzt. Bei KSB habe ich unglaublich viel gelernt. Nach meinem Studienabschluss 1998 habe ich weitere zwei Jahre für das Unternehmen gearbeitet, bevor ich im Jahr 2000 nach Afrika zurückging.

Ingenieurwesen mit Ziel: Outare Kokobissi

Outare Kokobissi wurde im westafrikanischen Togo geboren. Er studierte in Tunesien Ingenieurwesen, bevor er in den 1990er Jahren nach Deutschland zog, um sich auf Maschinenbau und Strömungsmaschinen zu spezialisieren. Sein Interesse an Pumpen wurde dabei von einer sehr persönlichen Motivation angetrieben: Er wollte dazu beitragen, die Wasserversorgung seiner Heimatregion zu verbessern. Seine Laufbahn bei KSB begann 1995 als Praktikant während des Studiums. Mit dem Ziel das Wissen, das er sich in Deutschland angeeignet hatte, in Afrika einzusetzen, ging er später dorthin zurück. Heute hilft er dabei, das Geschäft von KSB in ganz Westafrika voranzubringen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Projekten für grundlegende Infrastruktur, die alles von Wasser und Energie bis hin zu Industrie, Öl und Gas umfassen.
Outare Kokobissi mit Sicherheitshelm und weißem Polohemd in einer Industrieanlage
Warum sind Sie nach Afrika zurückgegangen?
Nachdem ich mir soviel Wissen angeeignet hatte, habe ich mich dazu verpflichtet gefühlt, der Gemeinschaft zu dienen, in der ich geboren wurde. Aus diesem Grund wusste ich von Anfang an, dass ich nach Afrika zurückkehren wollte. Ich würde es als meine Leidenschaft bezeichnen. Nach meiner Zeit in Deutschland habe ich sechs Monate in Südafrika gearbeitet, bevor ich die Region Westafrika übernommen habe. Heute freue ich mich sehr darüber, was KSB in den letzten 25 Jahren in der Region alles erreicht hat. Wir waren bereits an vielen Projekten beteiligt, die Gemeinden und größere Städte mit Wasser versorgen. Sauberes Wasser für Afrika war immer schon mein Ziel.
Hat Sie ihr Aufenthalt in Deutschland persönlich geprägt?
Auf jeden Fall. Ich war acht Jahre lang in Deutschland. Zurück in meiner Heimat ist mir selbst und auch meiner Familie aufgefallen, dass ich mich positiv entwickelt hatte. Deutschland hat die Art und Weise geprägt, in der ich Diskussionen, Verantwortung und Arbeit angehe. Ich habe gelernt, eigenverantwortlicher, pragmatischer und direkter zu sein.
Als ich Leiter eines Unternehmens in Afrika wurde, sah ich den Unterschied deutlich. In Deutschland führen die Menschen ihre Arbeit allgemein sehr unabhängig in ihrem eigenen Verantwortungsbereich aus. In Afrika müssen Leiter sehr oft ganz genaue Anweisungen und direkt Rückmeldung geben. Das war am Anfang ein richtiger Schock für mich.
Was ich auch in Deutschland gelernt habe, war, offen über Dinge zu sprechen. In Afrika haben Gemeinschaft, Alte und soziale Struktur einen hohen Stellenwert, weshalb die Menschen dort einiges eher nicht so direkt benennen möchten. In Deutschland dagegen habe ich eine Kultur erlebt, in der Menschen ihre Gedanken frei ausdrücken. Das trägt auch zum Erfolg von Deutschland bei.
Heute sind Sie KSB-Regionalleiter Westafrika. Könnten Sie uns Ihre Region beschreiben?
Zuerst einmal handelt es sich um eine große Region. Sie umfasst 23 Länder und ist eine Mischung aus verschiedenen Gemeinschaften, Sprachen und Kulturen. In manchen Ländern sprechen die Menschen Französisch, in anderen Englisch oder Portugiesisch. Und das sind nur die offiziellen Sprachen – darüber hinaus gibt es noch viele lokale Sprachen.
Diese Vielfalt zeichnet die Region aus. Sie verläuft entlang der Atlantikküste von Mauretanien bis hinunter nach Kongo und Äquatorialguinea. Bewegt man sich von der Küste aus ins Inland, trifft man auf unterschiedlichste Gemeinschaften mit verschiedenen Sprachen. Manchmal fahre ich nur 50 km und schon wird wieder eine andere Sprache gesprochen.
Durch einige Gemeinschaften verlaufen sogar Landesgrenzen. Die Sprache Ewe wird zum Beispiel von Menschen in Teilen Benins, Togos, Ghanas und der Elfenbeinküste gesprochen. Obwohl sie in verschiedenen Ländern leben, sind sie dennoch durch Familie und Kultur miteinander verbunden. Das heißt, dass Menschen in vielen Fällen zwar durch Grenzen voneinander getrennt sind, aber dennoch zusammengehören. Die Vielfalt macht die Region sehr interessant für mich.
Lassen Sie uns von der Region als Wirtschaftsraum sprechen. Welche Industriebereiche sind für Sie am bedeutendsten?
Das kommt auf das Land an. Manche der Länder verfügen über reiche Erdölvorkommen. In Nigeria, wo sich unser Hauptsitz befindet, ist die Öl- und Gasindustrie sehr gut entwickelt. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung von ganz Westafrika lebt in Nigeria, und auch die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts wird hier erwirtschaftet. Die Öl- und Gasindustrie stellt hier in Nigeria unseren Kernmarkt dar.
In anderen Ländern ist der Bergbau unser Kerngeschäft, da dort Ressourcen wie Gold oder Phosphat vorkommen. An der Küste ist die Landwirtschaft das Hauptgeschäft. Und die Wasserversorgung ist auch sehr wichtig. In dieser Region leben um die 500 Millionen Menschen, und jeder braucht Wasser zum Überleben.
Auch in allgemeinen Industrieanwendungen sind wir tätig. Jedes Land hier hat Zementfabriken. Außerdem gibt es Speiseölunternehmen, und die Palmölentwicklung geht voran. Der Energiebereich wächst ebenfalls, weil sich Länder ohne Energie nicht weiterentwickeln können.
„Menschen mit Faszination und Engagement arbeiten zu sehen, spornt dazu an, es ihnen gleichzutun.“
Outare Kokobissi
Portrait von Outare Kokobissi mit blauem Anzug und weißem Hemd vor hellgrauen Hintergrund
Wie überzeugen Sie Kunden in diesen Industriebereichen von den Vorteilen von KSB-Produkten und -Dienstleistungen?
Wir überzeugen unsere Kunden durch Qualität, Fachwissen und lokale Präsenz. Als wir 2001 hier mit dem Unternehmen an den Start gingen, hatten wir viele Wettbewerber, darunter billigere aus Indien, China und anderen Ländern. Wir fanden jedoch in manchen Pumpenanlagen KSB-Pumpen, die 30 Jahre zuvor installiert wurden und immer noch liefen. Das war ein ausgezeichnetes Argument für deren Qualität.
Unser Angebot ist meist nicht das günstigste, aber wir können unsere Kunden anderweitig überzeugen. Wir schulen und beraten Kunden und helfen Planern, bei der Auslegung von Pumpenanlagen Fehler zu vermeiden. Wenn diese sehen, dass wir uns mit der Anwendung auskennen und sie technisch unterstützen können, gewinnen sie auch Vertrauen in unsere Produkte.
Heute geht es nicht mehr nur darum, wer der günstigere Anbieter ist, sondern darum, wer Hilfe und Unterstützung bieten kann. Wessen Produkte die längste Lebensdauer haben, und wer die Verfügbarkeit von Produkten und Ersatzteilen sicherstellen kann. Mit KSB SupremeServ analysieren wir Pumpenanlagen, arbeiten mit lokalen Partnern zusammen und halten die lokale Lagerhaltung in mehreren Ländern aufrecht. Viele unserer Wettbewerber verkaufen zwar Produkte, bieten aber nicht den gleichen Kundendienst.
Wie viele Mitarbeiter hat KSB aktuell in Westafrika?
In der gesamten Region beschäftigt KSB momentan ein Team von 29 Mitarbeitern. Der Großteil davon, nämlich 24 Angestellte, arbeitet in Nigeria. Unser Büro in Ghana dagegen hat nur fünf Mitarbeiter. Von diesen beiden Ländern aus bearbeiten wir die anderen Unterregionen, einschließlich Kamerun, Tschad, Kongo und Gabun.
Unser Hauptstandort befindet sich in Lagos, wo wir eine Servicewerkstatt und ein lokales Produktlager betreiben. Dadurch können wir Lieferzeiten reduzieren, Produkte vor Ort montieren und den Kunden am Einsatzort durch Entsendung unserer Spezialisten unterstützen. In der Werkstatt führen wir auch Reparaturen aus.
Was sind die größten Herausforderungen in der Region und wie gehen Sie diese an?
Die Größe der Region im Vergleich zur Kapazität unseres Teams ist eine große Herausforderung. Wir müssen besonders hart arbeiten, um jeden Kunden zu erreichen und all deren Anforderungen zu erfüllen. Die Logistik ist auch ein schwieriges Thema. Von vielen Werken sind wir sehr weit entfernt, und Lieferungen aus Europa dauern oft sehr lange. Manche unserer Herausforderungen kennt man in Europa gar nicht, zum Beispiel Sicherheitsprobleme in bestimmten Gegenden.
Was würden Sie europäischen Unternehmen raten, die in Westafrika Geschäfte machen möchten?
Vor allem müssen Sie psychisch darauf vorbereitet sein. Wenn Sie in dieser Region ankommen, sind sie erstmal von einer ganz neuen Kultur umgeben. Weil diese ganz anders ist als in Europa, müssen Sie lernen, sich richtig zu verhalten und sich zu etablieren.
Ich würde zu Geduld raten und nicht gleich innerhalb eines Jahres Wunder erwarten. Natürlich kann man innerhalb von drei bis vier Monaten ein Unternehmen einrichten und aufbauen, aber sich am Markt zu etablieren, sich richtig vorzustellen und all die nötigen Genehmigungen zu bekommen, dauert sehr viel länger. Beziehungen spielen eine große Rolle. Aus diesem Grund braucht man oft Planer, die sich sowohl mit den benötigten Unterlagen als auch mit dem System auskennen, und denen die beteiligten Personen bekannt sind. Alles allein erledigen zu wollen, kann sehr schwer werden.
Wie sehen Sie die Zukunft von KSB in Westafrika?
Wir verfolgen eine klare Strategie. Westafrika wächst rapide. KSB Nigeria beispielsweise ist noch ein junges Unternehmen. Es wurde erst 2022 gegründet und hat beinahe jedes Jahr ein zweistelliges Wachstum verzeichnet. Nigeria hat ungefähr 230 Millionen Einwohner, und die Bevölkerung nimmt jedes Jahr um etwa fünf Millionen Menschen zu. Die Nachfrage für Wasser, Energie und Industrie ist entsprechend groß. Dasselbe trifft auf die gesamte Region zu. Wir sind überzeugt davon, dass die Region ein starkes Zukunftspotenzial hat. Dafür müssen wir aber auch die Kapazitäten schaffen, um unsere Geschäftstätigkeiten hier weiterzuentwickeln.
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was bedeutet die Arbeit bei KSB für Sie persönlich?
Für mich hat der Eintritt bei KSB in den 1990er Jahren vieles verändert. Ich war von der Gastfreundschaft begeistert. Jeder wollte mir zeigen, wie alles läuft und funktioniert. Alles, was ich hier gelernt habe, hat mir später in meiner Arbeit geholfen, vor allem als ich eigenverantwortlich tätig sein musste, da KSB Westafrika so weit von allen Fertigungsstandorten entfernt ist. Dadurch konnte KSB Westafrika wachsen und gedeihen, Kapazitäten in der Region aufbauen und Menschen in den benötigten Fähigkeiten schulen. Meine Zeit bei KSB hat mich geprägt, denn Menschen über einen langen Zeitraum mit Faszination und Engagement arbeiten zu sehen, spornt dazu an, es ihnen gleichzutun.

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