Hellisheiði-Geothermiekraftwerk in Island im Frühjahr: Große Rohrleitungen führen über eine Vulkanlandschaft zur Anlage
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Energie aus der Tiefe: Warum Geothermie jetzt durchstartet

 

Geothermie liefert rund um die Uhr klimafreundliche Wärme und Strom – unabhängig von Wetter und Lieferketten. Doch lange blieb ihr großflächiger Einsatz auf wenige Länder mit günstigen geologischen Voraussetzungen wie Island oder Indonesien beschränkt. Neue Technologien ändern das grundlegend: Sie machen Geothermie auch dort nutzbar, wo der Zugang zur Erdwärme bislang als schwierig galt. Eine entscheidende Rolle spielen dabei moderne Pumpen und Armaturen.
Kreisdiagramm zum weltweiten Endenergieverbrauch: Wärme und Kühlung machen 50 Prozent aus

Zwei Herausforderungen für die Energiewende

Die Energiewende steht vor zwei zentralen Problemen: Erstens ist Strom aus Wind und Sonne wetterabhängig und benötigt daher immense Investitionen in Netzausbau und Speichertechnologien. Zweitens ist die Wärmeversorgung für Gebäude, Warmwasser und Industrie schwer zu dekarbonisieren und basiert weiterhin überwiegend auf fossilen Quellen. Da Wärme rund die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs ausmacht, verursacht sie etwa 37 Prozent der energiebedingten CO₂-Emissionen. Eine neue Generation von Geothermiekraftwerken kann hier helfen: Erdwärme ist rund um die Uhr verfügbar, liefert Strom und Wärme zugleich, braucht keine Speicher und lässt sich in bestehende Fernwärmenetze einspeisen. Zudem ist sie lokal nutzbar und verringert Abhängigkeiten von globalen Lieferketten und geopolitischen Risiken. Nach Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte Geothermie bis 2050 bei technischem Fortschritt und sinkenden Kosten bis zu 15 Prozent des weltweiten Strombedarfswachstums(öffnet in einem neuen Tab) decken.

Neue Technologien erlauben Geothermienutzung fast überall

Trotz dieser Vorteile fristet Geothermie noch ein Nischendasein: Weniger als ein Prozent der weltweit erzeugten Primärenergie stammt aus Erdwärme. Der Grund dafür ist, dass sie lange Zeit nur in geologisch geeigneten Regionen wie Sedimentbecken, vulkanisch aktiven Gebieten oder tektonischen Störungszonen genutzt werden konnte.
Denn Geothermie nutzt die Wärme aus dem Untergrund, indem heißes Tiefenwasser über Bohrungen an die Oberfläche gefördert wird. Dort treibt es Dampfturbinen zur Stromerzeugung an oder heizt Fernwärmenetze. Konventionelle Anlagen sind allerdings auf natürlich vorhandene Thermalwässer angewiesen, die meist als mineralreiche Sole vorliegen. Außerdem muss das umgebende Gestein genügend durchlässig sein, damit die Sole in Richtung der Bohrungen nachströmen kann. Diese Bedingungen sind nur in wenigen Regionen gegeben. Neue Technologien überwinden diese Einschränkungen und ermöglichen es, geothermische Energie deutlich flächendeckender – in vielen Regionen sogar nahezu überall – zu erschließen.
Vergleich zweier Geothermiesysteme im Querschnitt: Enhanced Geothermal System und Closed Loop Geothermal

Bei Enhanced Geothermal Systems (links) wird Wasser durch künstlich erzeugte Risse im heißen Gestein geleitet. Beim Closed-Loop-Geothermiesystem (rechts) zirkuliert es in einem geschlossenen unterirdischen Wärmetauscher.

Zum einen gestalten diese Technologien den Untergrund in der Tiefe: Enhanced bzw. Engineered Geothermal Systems (EGS) zum Beispiel erzeugen durch Druck Klüfte im Gestein, durch die sich Erdwärme besser erschließen lässt. Bei Closed-Loop-Geothermiesystemen (CLGS) werden durch horizontale Bohrtechniken vollständige Kreisläufe im Gestein geschaffen, die als gigantische Wärmetauscher dienen. Beide Verfahren kommen ohne Sole aus, da sie Oberflächenwasser in die Tiefe einbringen.
Auch an der Oberfläche sorgen moderne Verfahren für mehr Effizienz: Beim Organic Rankine Cycle (ORC) wird Wärme auf ein organisches Medium mit sehr niedrigem Siedepunkt übertragen, wie beispielsweise Isopentan oder Isobutan. So kann mit vergleichsweise niedrigen Temperaturen eine Turbine zur Stromerzeugung betrieben werden.
Beide Ansätze machen Geothermie auch dort nutzbar, wo sie bislang nicht möglich war. Laut IEA könnten Bohrungen bis acht Kilometer Tiefe weltweit ein Potenzial von rund 600 Terawatt für die Stromerzeugung erschließen – damit hätte Geothermie nach Solarenergie das zweitgrößte Potenzial unter den erneuerbaren Energien.(öffnet in einem neuen Tab)
Gestapeltes Säulendiagramm zu weltweiten Investitionen in Geothermie von 2018 bis 2025

Investitionen in Geothermie steigen drastisch

Diese neuen Möglichkeiten feuern die Investitionen in Geothermie an. Nach Schätzungen der IEA(öffnet in einem neuen Tab) stiegen die weltweiten Investitionen von rund 22 Millionen US-Dollar im Jahr 2018 auf fast 2,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 – eine Verhundertfachung innerhalb von sieben Jahren. In den kommenden Jahren dürfte sich dieser Trend fortsetzen: Laut Prognosen von Rystad Energy(öffnet in einem neuen Tab) sollen die Investitionsausgaben bis 2030 jährlich um etwa 20 Prozent wachsen. Die IEA schätzt, dass mit der richtigen Unterstützung die Kosten für Geothermie der nächsten Generation bis 2035 um 80 Prozent sinken könnten. Damit wäre sie genauso wettbewerbsfähig oder sogar günstiger als Wasser-, Kern- und Bioenergie. Zum wachsenden Interesse an der Geothermie trägt auch bei, dass aus der Sole Lithium als Nebenprodukt gewonnen werden kann. Nach Schätzung der IEA könnten die Geothermieprojekte, die derzeit in der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten entwickelt werden, bis 2035 jährlich 47 Kilotonnen Lithium liefern(öffnet in einem neuen Tab), was fünf Prozent des weltweiten Bedarfs decken würde. Ein Beispiel für solch eine doppelte Nutzung von Geothermie ist das Lionheart-Projekt von Vulcan Energy(öffnet in einem neuen Tab) im deutschen Oberrheingraben.

Pumpen sind entscheidend

Pumpen und Armaturen sind in Geothermieanlagen entscheidend: Sie müssen Sole sicher fördern, steuern und wieder zurück in den Untergrund bringen – oft bei hohen Temperaturen und Drücken sowie unter wechselnden Betriebszuständen.
Dabei stellt die Geothermienutzung höchste Anforderungen an Pumpen und Armaturen. Der Grund ist das Fördermedium: Geothermiesole ist stark mineralhaltig und korrosiv. Kühlt sie ab oder ändern sich die Druckverhältnisse, können gelöste Mineralien ausfallen und kristallisieren. Dadurch entstehen Ablagerungen in Rohrleitungen, Armaturen und Pumpen. Sie drosseln den Durchfluss, beschädigen Bauteile und können Störungen bis hin zum Ausfall verursachen. Zusätzlich beanspruchen hohe Temperaturen und Temperaturwechsel vor allem die Gleitringdichtungen.
Schematische Darstellung eines geothermischen Organic-Rankine-Cycle-Kraftwerks

Schema eines Geothermiekraftwerks mit Organic Rankine Cycle: Heiße Sole aus der Produktionsbohrung überträgt ihre Wärme im Wärmetauscher auf ein Medium mit niedrigem Siedepunkt, das eine Turbine mit Generator antreibt.

Unter diesen Bedingungen müssen die Pumpen hohe Fördermengen bewältigen und so ausgelegt sein, dass es nicht zur Kavitation kommt – also zur Bildung von Dampfblasen, die Pumpen stark schädigen können. Entscheidend ist dabei ein niedriger erforderlicher NPSH-Wert, damit die Pumpe auch bei geringem Zulaufdruck sicher und kavitationsfrei arbeitet. KSB setzt hierfür auf spezielle Werkstoffe gegen Korrosion und Verschleiß und bietet zudem Pumpen nach API-610-Standard an, die für anspruchsvolle geothermische Anwendungen ausgelegt sind.

KSB-Produkte für Geothermiekraftwerk

Sole-Reinjektionspumpe Multitec RO

Die Multitec RO bietet sich als Sole-Reinjektionspumpe an, die Sole nach der Nutzung zurück in tiefere Schichten pumpt. Sie ist als Plug-and-Play-Lösung konzipiert und wird vollständig für den sofortigen Betrieb vorbereitet geliefert – ohne dass zusätzliche Hilfssysteme erforderlich sind. Die mehrstufige Gliederpumpe wurde für eine hohe Betriebssicherheit entwickelt. Sie verfügt über ein Sauglaufrad in Kombination mit einem axialen Eintritt, wodurch niedrige erforderliche NPSH-Werte erreicht werden. Dies trägt dazu bei, auch bei anspruchsvollen Ansaugbedingungen eine stabile Leistung sicherzustellen. Für eine lange Lebensdauer bei der Förderung von abrasiver Sole wird die Pumpe aus korrosionsbeständigen Werkstoffen wie Duplex- oder Super-Duplex-Edelstahl gefertigt. Dadurch bietet sie auch in anspruchsvollen Betriebsumgebungen eine lange Lebensdauer.
Multitec
WKTR

Feedpumpe WKTB / WKTR

Die WKTB findet häufig als Feedpumpe in Sekundärkreisläufen von Geothermiekraftwerken Verwendung. Dank der doppelseitig beaufschlagten Sauglaufräder, die für den Betrieb mit niedrigem NPSH ausgelegt sind, benötigt sie nur eine minimale Einbautiefe. Für vereinfachte Servicearbeiten kann die komplette Pumpe aus dem Behälter gezogen werden, was eine schnelle Inspektion und Wartung ermöglicht. Bei Ausführung mit Spacer-Kupplung kann die Cartridge-Gleitringdichtung ausgetauscht werden, ohne den Motor demontieren zu müssen. Dadurch werden Stillstandszeiten deutlich reduziert. Dieses servicefreundliche Konzept unterstützt einen zuverlässigen Betrieb sowie eine effiziente Wartungsplanung. Wenn ein API-Standard gefordert ist, kann KSB die Pumpe als Pumpentyp WKTR liefern, ausgelegt gemäß den API-Anforderungen.

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