Eine Gruppen junger Menschen während eines Brainstorming an einem Whiteboard.
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Der Ideenmotor von KSB: das Business Innovation Lab

Vier spannende Projekte zeigen, wie aus Ideen Lösungen werden

Im Business Innovation Lab in Mannheim können KSB-Mitarbeiter neue Geschäftsideen mit vollem Fokus verwirklichen. Gleichzeitig kooperiert das Lab mit Start-ups, um deren Lösungen weiterzuentwickeln und für KSB nutzbar zu machen. Wer hier ein Projekt startet, erlebt echte Start-up-Atmosphäre: schnelle Entscheidungen, agile Methoden und viel Freiraum. Doch was das Business Innovation Lab wirklich ausmacht, zeigen seine Ergebnisse am besten. Deshalb stellen wir hier vier Projekte vor, die zeigen, wie viel Potenzial in einer guten Idee stecken kann. 

1. Next Generation KSB Guard: vom Überwachungstool zur Service-Plattform

KSB Guard ist das digitale Überwachungssystem von KSB, das den Betriebszustand von Pumpen in Echtzeit erfasst und vor Störungen warnt. Zurzeit entwickelt das Unternehmen die nächste Generation des Systems. Benjamin Weiß leitet die softwareseitige Weiterentwicklung, während Jonas Hilpert die Hardwareentwicklung verantwortet. Der neue KSB Guard soll ganzheitlich modernisiert werden, angefangen von der Hardware bis hin zur Softwareplattform für alle bestehenden und zukünftigen digitalen Lösungen von KSB, um übergreifend Daten aus zahlreichen Quellen mithilfe intelligenter Algorithmen auszuwerten. „Wir wollen die nächste Generation des KSB Guards noch erfolgreicher im Markt positionieren und natürlich skalieren. Um den Blick auf die Kundenbedürfnisse weiter zu schärfen, sind Jonas und ich zu Projektbeginn für einige Wochen ins Business Innovation Lab gegangen“, erklärt Benjamin Weiß. Für ihn sei die Arbeit im Lab immer hochspannend und inspirierend gewesen: „Wenn man das Tagesgeschäft verlässt, durch das Werkstor hinausgeht und frei mit Kunden sprechen kann, kommt man auf ganz neue Gedanken. Vor allem auch durch die Brainstormings mit Julian Bergmann, dem Lab-Leiter.“ 
Benjamin Weiß mit einem verpixelten Sensor des neuen KSB Guards in der Hand.

2. Parts on Demand: effizienteres Bestellen von Teilen

Die Auftragsfertigung von Bauteilen gewinnt für KSB an Bedeutung. Doch bislang erreichten Anfragen zu gedruckten oder gegossenen Teilen das Unternehmen über viele verschiedene Kanäle – per Mail, Telefon oder „auf Zuruf“. Daher entstand die Idee, eine einheitliche Transaktionsplattform zu entwickeln. Diese Aufgabe übernahmen Anja Hunsinger, Jonas Wüst und Michael Kuhlen. Alle drei hatten zuvor keinen Bezug zu 3D-Druck oder Gießereitechnik. „Das war gut, weil wir unvoreingenommen an das Thema rangegangen sind“, erklärt Michael Kuhlen. Gemeinsam entwickelten sie innerhalb von sechs Monaten ein neues Anfrageformular. Nun können Kunden konkrete technische Daten angeben – von Werkstoff und Abmessungen bis zu benötigten Prüfzeugnissen. „Dadurch können wir viel schneller ein Angebot erstellen, ohne ständige Rückfragen“, so Michael Kuhlen. Besonders wichtig war dem Team die Nähe zu den Nutzern. „Wir haben ganz eng mit Kunden gearbeitet. Mit dem Click-Dummy waren wir vor Ort und haben Feedback aufgenommen.“ Die Arbeit im Lab empfanden sie als große Bereicherung: „Man konnte ‚outside the box’ denken und lernte neue Herangehensweisen – es war eine schöne Zeit“, resümiert Anja Hunsinger. 
Michael Kuhlen mit einem 3D-gedruckten Bauteil in der Hand.
Das Mafinex-Gebäude in Mannheim, in dem sich das Business Innovation Lab befindet.

Wo Ideen groß werden: das Business Innovation Lab

Das Business Innovation Lab in Mannheim ist seit 2017 der Ort, an dem neue Geschäftsmodelle für KSB entstehen und der digitale Wandel gestaltet wird. Das Lab wirkt zudem als Brücke zu Start-ups und unterstützt sie dabei, ihre Angebote als Venture-Clienting-Projekte mit KSB weiterzuentwickeln. Hier arbeiten Projektleiter von KSB, externe Spezialisten und Studierende in interdisziplinären Teams mit voller Aufmerksamkeit für eine einzige Aufgabe: aus einer Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Für KSB-Mitarbeiter ist das Lab eine besondere Chance. Wer als Leiter ein Projekt übernimmt, arbeitet fernab des Tagesgeschäfts, lernt neue Geschäftsbereiche kennen und entwickelt sich methodisch weiter. Ein unvoreingenommener Blick auf das Thema ist ausdrücklich erwünscht – oft ist es daher ein Vorteil, wenn der Projektleiter nicht aus dem Fachbereich des Projekts stammt. Eine zentrale Rolle spielt dabei Julian Bergmann, der Leiter des Labs. Er begleitet die Teams als Methoden-Coach, führt in Arbeitsweisen wie Lean Start-up oder Design Thinking ein und unterstützt die Projektgruppen strategisch wie fachlich – ohne Hierarchien, aber mit klarer Orientierung.
Fotocredit: “Mafinex” by sporst(opens in a new tab), CC BY 2.0

3. Fernwärme: neue Geschäftsfelder durch die Wärmewende

Die EU strebt Klimaneutralität an – mit großen Folgen für Fernwärmenetze, die zurzeit vor allem von fossilen Kraftwerken geheizt werden. In einem sechsmonatigen Projekt untersuchte Lucas Sommer gemeinsam mit der Universität Bayreuth und dem Future Energy Lab Wunsiedel, welche neuen Geschäftsfelder sich daraus für KSB ergeben. Die Herausforderung: Erneuerbare Quellen wie Großwärmepumpen liefern niedrigere Temperaturen als fossile Kraftwerke und benötigen daher höhere Volumenströme. „In den heutigen Netzen gibt es da Limitierungen. Da kannst du nicht einfach einen doppelt so hohen Druck fahren“, erklärt Lucas Sommer. Genau hier sieht er ein großes Transformationspotenzial – und Chancen für KSB: „Das Allerschlimmste wäre, dass eine Großstadt alle Leitungen erneuern muss.“ Mit gezieltem Pumpeneinsatz und systemischen Analysen ließen sich viele Netze ertüchtigen, ohne sie komplett neu aufzubauen. Wichtig ist dabei auch die Zusammenarbeit mit Anbietern von digitalen Zwillingen. Für Sommer selbst war das Projekt ein besonderes Erlebnis – geprägt von Experimentierfreude und Offenheit. „Es war immer spannend. Man wusste nie, was morgen kommt“, fasst er zusammen. 
Lucas Sommer vor den Pumpen einer industriellen Heizanlage.

4. VoiceLine: KI-Unterstützung für den Außendienst

Benjamin Bohlmann, Leiter der Querschnittsfunktion Verkauf bei KSB, treibt ein Venture-Clienting-Projekt voran, das den Alltag der Vertriebsmitarbeiter bei KSB grundlegend verändern könnte: die Einführung des KI-Tools VoiceLine. Das Tool löst ein drängendes Problem des Vertriebs: Besuchsberichte für das Customer-Relationship-Management-System (CRM) kosten die Mitarbeiter viel Zeit. Sie müssen Meetings dokumentieren, Ansprechpartner zuordnen und Follow-ups festhalten. „Wenn ein Mitarbeiter 35 bis 40 Stunden arbeitet und allein ein Siebtel seiner Zeit nur dokumentiert, ist das viel verlorene Vertriebszeit“, so Benjamin Bohlmann. VoiceLine soll diesen Prozess radikal vereinfachen. Die KI-App fragt den Mitarbeiter per Spracheingabe nach Kunden, Terminen und Gesprächsinhalten und erstellt daraus vollständige Besuchsberichte. „Ich spreche das rein und die KI bindet diese Informationen in einen Besuchsbericht mit all den Feldern, die ich vorher selbst pflegen musste.“ Derzeit befindet sich das Vorhaben in der technischen und organisatorischen Klärung. Sein klares Fazit: „Wenn wir unser CRM einbinden können, erledigt es in Minuten Arbeit, die sonst Stunden gekostet hätte.” 
Benjamin Bohlmann sitzt in einem Auto und spricht in ein Mobiltelefon.

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