Anja Hennig und Martina Szautner sitzen sich gegenüber an einem Tisch und sprechen miteinander in einem Büro.
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„Mitarbeiter möchten Teil einer Gemeinschaft sein, die etwas bewegt.“

 
Wer heute Mitarbeiter für sich gewinnen möchte, muss mehr bieten als einen sicheren Arbeitsplatz und ein gutes Gehalt. Was macht einen Arbeitgeber wirklich attraktiv? Im Interview sprechen Martina Szautner, Global Executive Officer Human Resources, und Recruiterin Anja Hennig darüber, warum Gemeinschaft und eine glaubwürdige Arbeitgebermarke heute entscheidende Faktoren im Wettbewerb um Fachkräfte sind.
Stream of Stories: Frau Hennig, man hört heute oft den Ausdruck „War for Workforce“, wenn es um den aktuellen Arbeitsmarkt geht. Wie erleben Sie als Recruiterin diesen Krieg um Arbeitskräfte?
Anja Hennig: Ich erlebe ihn tatsächlich täglich. Früher hatte man das Gefühl: Die Talente stehen bei uns Schlange. Heute muss ich mich als Arbeitgeber aktiv bei den Menschen bewerben. Gerade in den höheren Lohngruppen fragen Bewerber sehr genau nach, welche Benefits oder Entwicklungsmöglichkeiten KSB bietet. Daher müssen wir uns Gedanken machen, was uns als Arbeitgeber attraktiv macht und wie wir dies Bewerbern vermitteln.
Frau Szautner, Sie sind Global Executive Officer Human Resources, also für das Personalmanagement weltweit in der KSB-Gruppe zuständig. Wie unterscheiden Sie die Vorstellungen davon, was einen Arbeitgeber attraktiv macht, in den unterschiedlichen Regionen der Welt?
Martina Szautner: Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Eine gewisse Erwartungshaltung von Bewerbern sehen wir ganz stark in Europa. Hier wird zum Beispiel noch oft nach Homeoffice gefragt, obwohl dies stark zurückgeht. Wenn ich dagegen auf Regionen wie Südamerika oder Asien schaue, sieht das ganz anders aus. Homeoffice ist dort gar kein Thema, weil die Wohnverhältnisse das oft gar nicht ermöglichen. Viele Mitarbeiter sind froh, wenn sie ein Büro haben, in das sie gehen können, weil sie dort in Ruhe arbeiten können. Dafür sind andere Dinge wichtiger.

Zwei Perspektiven auf Menschen, Arbeit und Gemeinschaft

Anja Hennig ist seit 2024 Senior Recruiter bei KSB in Halle. Sie bringt langjährige Erfahrung aus Recruiting und Talent Acquisition mit, unter anderem aus mehr als elf Jahren bei Dell Technologies. Bei KSB begleitet sie vor allem technische Fachkräfte und legt dabei besonderen Wert darauf, Menschen mit Aufgaben zusammenzubringen, in denen sie sich entwickeln und etwas bewirken können.
Martina Szautner verantwortet seit 2018 als Global Executive Officer Human Resources das weltweite Personalmanagement der KSB-Gruppe. Sie bringt viele Jahre internationale Führungserfahrung mit und war zuvor unter anderem bei Dachser, Giesecke+Devrient und Faber-Castell in leitenden HR-Funktionen tätig. Ihr Fokus liegt auf einer Personalarbeit, die Strategie, Kultur und Entwicklung zusammenbringt.
Anja Hennig und Martina Szautner stehen nebeneinander auf einem Weg im Freien und lächeln in die Kamera.
Gibt es beim Thema Arbeitgeberattraktivität auch Vorstellungen, die überall auf der Welt gleich sind? 
Martina Szautner: Absolut! Wir haben Untersuchungen dazu geführt und bewusst Mitarbeiter aus verschiedenen Regionen gefragt: Was macht KSB für euch besonders? Was wäre euch wichtig, wenn ihr einen Arbeitgeber suchen würdet? 
Überall möchten Mitarbeiter sich als Teil eines Ganzen fühlen. Weltweit haben sie das Bedürfnis, bei ihrer Arbeit das Gefühl zu haben, ein geschätzter Teil einer Gemeinschaft zu sein, die etwas bewegt. 
Dann ist das Thema Jobsicherheit durch die Coronazeit noch einmal stärker in den Vordergrund gerückt. Zudem ist es attraktiv, für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen Produkte auf der ganzen Welt eingesetzt werden. Das ist etwas, das Menschen auch im Bekanntenkreis gern erzählen.
Die Erkenntnisse dieser Untersuchung sind in unsere vier Arbeitgeberversprechen eingeflossen, die wir nutzen, um Bewerbern zu beschreiben, wie wir KSB als Gemeinschaft erleben: stark, vereint, global und stolz. 
Sie haben einen großen Aufwand in die Ausarbeitung dieser vier Arbeitgeberprinzipien gesteckt. Wozu braucht man eine solche Form der Kommunikation im heutigen „War for Workforce“?
Martina Szautner: Es ist wichtig, die Essenz von KSB als Arbeitgeber auf den Punkt zu bringen. Gerade nach außen muss man diese Themen in Bilder, Texte und klare Botschaften übersetzen. Gerade für Kandidaten, die mehrere Angebote haben, ist es hilfreich, wenn sie klar erkennen: Was ist das für ein Unternehmen, wie tickt es als Arbeitgeber? Dann können sich Bewerber besser einordnen – und wir können uns besser positionieren.
 
Anja Hennig und Martina Szautner, an einem Tisch sitzend, im Gespräch
Anja Hennig: Wenn Bewerber sich diese vier Arbeitgeberprinzipien anschauen, wird klar: Was wir hier tun, ist kein Selbstzweck. KSB will nicht einfach nur Geld verdienen, sondern wir bewegen mit unseren Produkten weltweit etwas. Und das macht stolz.
Wenn ich diese vier Attribute lese, kann ich sie unterschreiben. Spricht mich ein Kandidat im Interview darauf an, kann ich sie direkt mit Beispielen aus dem Alltag unterlegen. Global: internationale Perspektiven, weltweite Kontakte. Stark: Arbeitssicherheit, Stabilität. Und so weiter. Zu allen vier Werten kann man ein glaubwürdiges Bild zeichnen.
Frau Hennig, worauf achten die Bewerber besonders, wenn sie sich im Gespräch mit Ihnen befinden? 
Anja Hennig: Das ist ganz unterschiedlich. Aber am Ende kommt eigentlich immer die Frage: Welche Benefits hat KSB zu bieten? Dann ist es auch meine Aufgabe, ein Stück weit herauszuhören, was mir der Kandidat oder die Kandidatin vorher schon über sich verraten hat.
Für manche zählt Sicherheit. Andere wollen Entwicklung und Weiterbildung. Wenn mir jemand erzählt, dass er Familie hat oder gerade ein Haus baut und viel investiert, dann beginne ich zum Beispiel mit unserer Altersvorsorge oder damit, dass wir tarifgebunden sind. Für manche ist das ein echtes Wow-Erlebnis, weil es Sicherheit vermittelt.
Benefits werden sehr unterschiedlich genutzt. Für manche ist die Kantine das Nonplusultra, andere freuen sich über Yoga oder Fitnesskurse nach der Arbeit. Doch alle Bewerber fragen: Wie ist die Arbeitsumgebung? Wie ist das Miteinander? Denn am Ende nützt das ganze Geld nichts, wenn man im Team nicht gut klarkommt. 
Martina Szautner: Themen wie Fitness und Mental Health haben wir in den letzten Jahren stark ausgebaut – mit Kursen, Informationen und Angeboten. Das zeigt auch, was uns als Unternehmen wichtig ist. 
Das ist ein Teil unserer Kultur. Wir wissen, dass wir viel von unseren Mitarbeitern fordern. Aber wir geben auch etwas zurück. Wir sehen unsere Mitarbeiter nicht nur als Menschen, die ihre Arbeitsleistung gegen Geld eintauschen, sondern wir versuchen, sie ganzheitlicher zu betrachten.
„Die Wirkung der Führungskräfte auf die Arbeitgeberattraktivität ist enorm.“
Martina Szautner
Porträt von Martina Szautner
Ein großes Thema ist Purpose, also in der Arbeit einen Sinn zu finden. Wie wichtig ist das bei Ihnen in Bewerbungsgesprächen?
Anja Hennig: Es ist sehr wichtig, weil ein Kandidat natürlich wissen muss, wofür das Unternehmen steht und wie er sich darin mit seinem eigenen Purpose einbringen kann.
Wir sagen immer: Wir sind ein Unternehmen, das mit seinen Produkten wirklich etwas bewegt. Wir transportieren Wasser und wir sorgen dafür, dass Industrien gut und sicher laufen. Unsere Anwendungen und Produkte haben einen echten Mehrwert. Viele Bewerber sehen das auch und können das auf sich übertragen.
Martina Szautner: Neben Purpose ist auch das Thema Nachhaltigkeit immer sehr präsent. Dabei verstehen wir dieses Thema nicht mehr nur rein ökologisch, sondern breiter – auch wirtschaftlich und sozial. Ein Beispiel: Eines unserer Nachhaltigkeitsziele ist es, die Frauenquote auf Führungspositionen weiterzuentwickeln. 
Ein weiteres Beispiel sind die Weiterbildungsstunden oder unser Unternehmenskulturindex, den wir regelmäßig erheben. Hier können wir uns mit ganz vielen Themen gegenüber Bewerbern positionieren. 
Welche Rolle spielt Führungskultur für die Attraktivität des Arbeitgebers?
Martina Szautner: Eine ganz zentrale. Führungskräfte beeinflussen aus meiner Sicht das Unternehmen, die Kultur und die Art und Weise, wie sich Mitarbeiter fühlen, stärker, als vielen bewusst ist.
Die Wirkung der Führungskräfte auf die Attraktivität eines Arbeitgebers ist enorm. Mitarbeiter kommen vielleicht wegen des Gehalts oder wegen der Produkte oder des Images. Sie gehen aber meistens, weil es mit einer Führungskraft nicht funktioniert. Führungskräfte sind die wichtigsten Multiplikatoren für Kultur in einem Unternehmen. Wir können enorm viel bewirken – aber auch viel kaputtmachen.
Deshalb ist eine gute Unternehmenskultur unendlich wichtig. Genau daran arbeiten wir sehr intensiv, indem wir Training und Qualifizierung anbieten und Führungskräften mit Rat und Tat zur Seite stehen. Jeder von uns kann permanent dazulernen – gerade beim Thema Führung. 
Frau Hennig, haben Sie vielleicht noch einen Geheimtipp, womit man als Bewerber im Gespräch bei Ihnen richtig punkten kann?
Anja Hennig: Authentizität. Das ist für mich das Wichtigste. 
Martina Szautner: Das hätte ich spontan auch als Erstes gesagt. Und gerade bei Führungspositionen ist mir noch etwas anderes sehr wichtig: eine gewisse Bodenständigkeit. 
Wir sind zwar ein weltweiter Konzern, aber gleichzeitig noch überschaubar genug und mit einer eher mittelständischen Kultur. Deshalb würden sich manche Bewerber aus sehr großen Konzernen wie Siemens oder Daimler bei uns vermutlich gar nicht wohlfühlen. Wir sind eben noch sehr persönlich!

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