
Notruf in Abu Dhabi: Wie KSB SupremeServ half, die Folgen einer Jahrhundertflut zu bewältigen
Die schwersten Regenfälle seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen legten im April 2024 die Abwasserentsorgung der Millionenstadt Abu Dhabi lahm. Mit Know-how, Reverse Engineering und viel Teamgeist setzte KSB SupremeServ eine seit Jahren stillgelegte Pumpstation innerhalb kürzester Zeit wieder instand – und trug so mit seinem Engagement zur Bewältigung dieser Krise bei.
Als an einem Sonntagmorgen um 08:15 Uhr das Telefon klingelte, wusste Raymond Hiel, Geschäftsführer KSB Service LLC Abu Dhabi, dass dies kein Auftrag wie jeder andere werden würde. „Wir haben ein Problem“, sagte ein Mitarbeiter des halbstaatlichen Versorgers von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Wenige Tage zuvor, am 16. April 2024, war ein Sturm mit den heftigsten Regenfällen seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen über den Vereinigten Arabischen Emiraten niedergegangen. Nun war der wichtigste Abwassertunnel der Millionenstadt überflutet und außer Funktion. „Okay, wir schicken sofort jemanden“, antwortete Raymond Hiel.
Die Heftigkeit der Regenfälle hatte die gesamte Region überrascht. „Es fühlte sich an, als wäre eine gewaltige Wasserwand über die Vereinigten Arabischen Emirate hinweggefegt“, erinnert sich Raymond Hiel. In Abu Dhabi, Dubai und Schardscha, den drei größten Städten des Landes, wurden ganze Stadtviertel überschwemmt. Strom, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung fielen in vielen Vierteln aus. Besonders tragisch: Fünf Menschen ertranken bei der Flut. Auch KSB wurde von dem Jahrhundertsturm getroffen. Eine Böe riss einen Teil des Daches der Werkstatt von KSB SupremeServ in Abu Dhabi ab und brachte eine Wand zum Einsturz.

Auf Tiefladern wurden die Bauteile der massiven Abwasserpumpen in die Werkstatt von KSB SupremeServ gebracht.
Die Situation in Abu Dhabi war ernst: Die Regenmassen hatten den STEP-Tunnel, einen bis zu 5,5 Meter breiten und 40 Kilometer langen Abwasserkanal, der erst 2016 fertiggestellt war, überflutet und außer Betrieb gesetzt. Um den Tunnel zu leeren und die Abwasserentsorgung der Stadt wiederherzustellen, braucht der Versorger MPS1 – eine Pumpstation im Zentrum der Stadt, die nach der Einweihung des STEP-Tunnels außer Betrieb genommen worden war. „Und da kamen wir ins Spiel, um eine Wartung durchzuführen und diese Pumpstation schnellstmöglich wieder in Betrieb zu nehmen“, so Raymond Hiel.
Eine halbe Stunde nach dem Anruf machte sich ein Außendienstteam auf den Weg zu MPS1, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die Pumpstation war ein elf Meter tiefer, kreisrunder Schacht, in dem acht Schmutzwasserpumpen installiert waren. Jede wurde über eine Kardanwelle von einem Elektromotor mit 410 Kilowatt Leistung angetrieben – etwa so viel wie der Triebwagen einer U-Bahn. Nachdem der Schacht leer gepumpt worden war, wurden die Pumpen abmontiert und mit Tiefladern in die Werkstatt von KSB SupremeServ gefahren. „Um sie wieder in Betrieb zu nehmen, mussten wir eine vollständige Wartung durchführen“, erklärt Raymond Hiel.
"Alle hatten Verständnis dafür, wie wichtig es
war, dem Kunden zu helfen, die
Pumpstation in Betrieb zu nehmen – auch
wenn sie unter schwierigen Bedingungen
arbeiten mussten."Raymond Hiel, Geschäftsführer KSB Service LLC Abu Dhabi
Dass die Pumpen von einem japanischen Hersteller stammten und keine KSB-Produkte waren, war keine Herausforderung für das Team. „Etwa 60 bis 70 Prozent der Wartungsaufträge sind für Pumpen anderer Hersteller“, so Raymond Hiel. Ein größeres Problem: Die Aggregate waren über 30 Jahre alt und Ersatzteile nicht mehr verfügbar. Pumpenwellen, Wellenschutzhülsen und Laufräder mussten durch Reverse Engineering neu hergestellt werden. Dazu scannten die Servicetechniker die originalen Bauteile in ihrer Werkstatt, erstellten Zeichnungen und ließen die Ersatzteile dann bei einem Partner gießen. Den ersten neuen Impeller konnte KSB schon nach drei Wochen liefern, den zweiten nach sechs Wochen.
Als besonderes Problem stellten sich die Wellenlager heraus. Für eine so große Zahl von Pumpen waren sie als Ersatzteile in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht verfügbar. „Wir mussten international suchen, um sie zu finden“, erinnert sich Raymond Hiel. Schließlich wurde sein Team in den Niederlanden und im Oman fündig und ließ die wertvollen Wellenlager nach Abu Dhabi liefern. Bei allen acht Pumpen überholten die KSB-Techniker zudem die Kardanwelle, Schwungräder und die Elektromotoren. Zuletzt installierten die KSB-Techniker KSB Guard, ein System, das den Zustand von Pumpen anhand von Vibrationen und Temperatur überwacht, und führten eine Analyse und technische Beratung durch.

Für seine besondere Leistung wurde das gesamte Team als „Mitarbeiter des Quartals“ ausgezeichnet.
Aufgrund der Notlage war Geschwindigkeit entscheidend. „Nach der Überholung haben wir Tag und Nacht in zwei Schichten gearbeitet, um diese Pumpen wieder zu installieren“, erzählt Raymond Hiel. Die Arbeit war hart: Es war Sommer in den Vereinigten Arabischen Emiraten und die Temperaturen erreichten bis zu 45 °C. Dazu kam, dass die Klimatisierung der Werkstätten aufgrund der Sturmschäden nicht funktionierte. „Große Hitze und Abwasser – das ergab keine angenehme Arbeitsumgebung.“ Besonders stolz ist er im Rückblick auf das Engagement des Teams. „Es war unglaublich. Alle hatten Verständnis dafür, wie wichtig es war, dem Kunden dabei zu helfen, diese Pumpstation in Betrieb zu nehmen – auch wenn sie unter schwierigen Bedingungen arbeiten mussten.“
Der Einsatz des Teams zahlte sich aus: Die ersten beiden Pumpen waren bereits am 31. Juli 2024 wieder in Betrieb. Am 8. Oktober 2024 liefen schließlich alle Aggregate wieder. Für ihren Einsatz wurden alle Mitglieder des Teams als "Mitarbeiter des Monats" ausgezeichnet. Beim jährlichen KSB SupremeServ World Meeting, das im April 2025 in Dubai stattfand, wurden sie auf die Bühne geholt und gefeiert.
Raymond Hiels Resümee zu diesem Projekt: „Es bestätigt, dass unser Konzept der Komplettlösung gerade in Notfällen der richtige Weg ist. Mit einem guten Außendienst und einer Werkstatt, in der man alles von A bis Z intern erledigen kann.“ Natürlich müsse man das Wissen, die Fähigkeiten und die Kapazitäten haben. Das Wichtigste ist für ihn aber etwas anderes: „Gute Leute, die bereit sind, die Extrameile zu gehen.“

