Elke Dörr sorgt als Innovationsmanagerin bei KSB dafür, dass aus Geistesblitzen konkrete Innovationsprojekte werden – und dass die richtigen Menschen dafür zusammenfinden. Im Interview mit “Stream of Stories” erklärt sie, warum Innovation keine Sache einer einzelnen Abteilung ist und weshalb eine offene Kultur entscheidend dafür ist, dass Mitarbeiter ihre Ideen einbringen.
Stream of Stories: Frau Dörr, Sie arbeiten seit vier Jahren als Innovationsmanagerin bei KSB. Können Sie uns praktisch beschreiben, wie Ihre tägliche Arbeit aussieht?
Elke Dörr: Als Innovationsmanagerin unterstütze ich jeden bei KSB, innovativer zu werden. Dabei entwickle ich nicht selbst Innovationen, sondern befähige meine Kolleginnen und Kollegen bei KSB weltweit, innovativer zu werden. Zum Beispiel bringe ich ihnen Kreativitätstechniken bei, unterstütze sie bei Workshops oder vermittle einfach die passenden Kontakte.
Um innovative Ideen weiterzuentwickeln, haben wir einen großen methodischen Baukasten, der zum Beispiel Workshops oder Innovationsprogramme enthält. Eine Methode, die wir bei KSB sehr gerne anwenden, ist das World-Café. Dabei diskutieren Gruppen an mehreren Tischen jeweils zu einem bestimmten Thema, wechseln reihum zum nächsten Tisch und hinterlassen ihre Erkenntnisse für die nächste Gruppe.
Dabei gibt es keine Standardlösung. Wenn jemand mit einer Idee oder einem Problem aus den Fachbereichen zu uns kommt oder wir selbst ein Potenzial erkennen, schauen wir: Was braucht dieses konkrete Thema? Wie muss es weiterentwickelt werden? Wo findet es eine Heimat bei KSB? Welche Personen müssen vernetzt werden? Unsere Aufgabe ist es, die passenden Bausteine zusammenzustellen und zu begleiten.
Ein weiterer zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist die enge Vernetzung mit unseren Fachbereichen. Im kontinuierlichen Austausch zu aktuellen Themen und Herausforderungen teilen wir Wissen, informieren über neue Entwicklungen und laufende Projekte und stellen gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen sicher, dass alle Aktivitäten konsequent auf den konkreten Kundennutzen und die Unternehmensstrategie ausgerichtet sind.
Kurz gesagt: Wir schaffen Orientierung für die Zukunft, identifizieren relevante Probleme und Chancen, bringen Menschen und Kompetenzen zusammen, validieren Ideen und begleiten tragfähige Konzepte bis zur Übergabe in die Umsetzung. Dabei fördern wir gleichzeitig eine Kultur, in der Neues ausprobiert, früh gelernt und Innovation gemeinsam gestaltet werden kann.
Die Möglichmacherin: Elke Dörr
Elke Dörr arbeitet seit 2022 im Bereich Innovation Management and Quality Culture bei KSB. Zuvor war sie mehr als fünf Jahre bei Bayern Innovativ tätig. Der Weg ins Innovationsmanagement begann für sie während ihres Studiums der Materialwissenschaften: Bei Messreihen im Labor merkte sie, dass ihr die Frage nach dem „Warum?“ zu kurz kam. Deshalb entschied sie sich für einen Master in Innovations- und Technologiemanagement. Heute moderiert sie Workshops, vermittelt Kreativitätstechniken, hält Vorträge und bringt die richtigen Fachleute zusammen, damit aus ersten Ideen konkrete Innovationsprojekte entstehen.
Ein bedeutender Teil Ihrer Arbeit besteht darin, Menschen zu Diskussionen zusammenzubringen. Was entscheidet darüber, ob solche Workshops tatsächlich gute Ergebnisse bringen?
Sehr viel hängt von der Gestaltung ab. Mit meinem Gefühl und meiner Erfahrung setze ich die Gruppen so zusammen, dass das Ergebnis möglichst gut wird. Dabei achte ich darauf, dass die Gruppe so divers ist, dass die Teilnehmer das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, aber trotzdem zusammenpassen.
Welche Fachbereiche sitzen miteinander an einem Tisch? Wie groß ist die Gruppe? Welche Hierarchieebenen sind vertreten? Welche Sprache funktioniert für die Beteiligten? Wie müssen die Fragen formuliert werden?
Genauso wichtig ist die Atmosphäre. Menschen müssen sich wohlfühlen und bereit sein, etwas beizutragen – selbst zu einem Thema, von dem sie vielleicht gerade zum ersten Mal gehört haben. Dafür gestalten wir die Räume entsprechend, briefen die Hosts, die die Diskussionen leiten, und schulen, wie man mit sehr zurückhaltenden oder auch sehr lauten Teilnehmern umgeht.
Sie helfen, Ideen weiterzuentwickeln und zu reifen. Aber wie entstehen diese Ideen und gelangen dann zu Ihnen?
Innovation entsteht aus sehr vielen unterschiedlichen Quellen. Wir warten nicht passiv, bis jemand uns von einer Idee erzählt, sondern beobachten Trends und Technologien, führen Studien durch, schauen auf Kundenanforderungen und Patente oder beobachten, was sich bei Start-ups und Wettbewerbern entwickelt.
Ein Beispiel ist die Trendstudie „Pumpe 2040“, zu der wir beigetragen haben. Hier haben wir Zukunftsszenarien entwickelt. Mit diesen Erkenntnissen gehen wir in die Fachbereiche und fragen: Was bedeutet diese Entwicklung konkret für die einzelnen Bereiche und welche Chancen entstehen dadurch für KSB? Daraus entwickeln wir gemeinsam mit den Fachbereichen Innovationsfelder für KSB.
Viel entsteht auch aus Gesprächen. FutureTalk zum Beispiel ist ein Format, bei dem wir externe Experten gemeinsam mit einem internen KSB-Experten Themen vorstellen und diskutieren lassen, um einen Blick in die Zukunft zu richten.
Viele innovative Ideen entstehen aus den Gesprächen im Anschluss an diese Diskussion.
Vom ersten Impuls bis zur Umsetzung: Der KSB-Innovationsfunnel zeigt, wie das Innovationsmanagement dabei unterstützt, Ideen in die Umsetzung zu bringen.
Wie geht es dann weiter mit dem Projekt?
Ein wesentlicher Baustein unserer Arbeit ist die enge Ausrichtung mit den Marktbereichen, Segmenten und der Unternehmensstrategie. In diesem Austausch werden Innovationsfelder identifiziert, priorisiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Sämtliche Aktivitäten und Initiativen unseres Bereichs orientieren sich an diesen strategischen Leitplanken und stehen im Einklang mit den definierten Unternehmenszielen.
Wenn eine Idee hier reinpasst, aber noch sehr frühphasig ist, geben wir sie an ein Programm, das Upstarter heißt. Es gibt den Mitarbeitern für einige Zeit den Freiraum, sich auf ihr Projekt zu fokussieren. Nach Abschluss dieses Programms entscheiden wir, wie es mit dem Projekt weitergeht.
Handelt es sich um eine Prozessverbesserung, die wir mit dem Fachbereich vorantreiben? Könnte es zu einem Produkt werden, das wir direkt in den Fachbereich überführen? Sollten wir mit einem Start-up zusammenarbeiten, weil es keinen Sinn macht, eine Eigenentwicklung zu betreiben? Oder hat es eher Potenzial zu einem neuen Geschäftsmodell? Dann würde es zum Beispiel ins Business Innovation Lab gehen. So schauen wir immer, wo das Projekt gut reinpasst und eine Heimat bei KSB findet.
Können Sie ein konkretes Projekt nennen, an dem man Ihre Rolle besonders gut erkennt?
Ein gutes Beispiel ist eine neue Oberflächenbeschichtung, die Kolleginnen und Kollegen an unserem Standort in Pegnitz entwickelt und patentiert haben. Die Technologie war also vorhanden. Die nächste Frage lautete aber: Wo können wir sie überall sinnvoll einsetzen? Eine Technologie wird schließlich erst dann zu einer erfolgreichen Innovation, wenn daraus auch wirtschaftlich erfolgreiche Anwendungen entstehen.
Wir haben zunächst geschaut, welche potenziellen Anwender es innerhalb von KSB gibt – also sowohl Produkte, bei denen die Beschichtung später einen Kundennutzen erzeugt, als auch interne Anwendungen, beispielsweise Werkzeuge, die durch die Beschichtung länger halten könnten.
Parallel nutzen wir verschiedene Bausteine: Wir stellen die Technologie in einem Future Talk vor und starten eine Challenge. Zudem planen wir Workshops mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen. Sie sollen einerseits mögliche Anwendungen benennen und andererseits Fragen und Herausforderungen aufzeigen, die sie bei der Technologie noch sehen.
Wie bringen Sie Menschen bei KSB zusammen, die sich für Innovation interessieren oder selbst an innovativen Themen arbeiten?
Eine wichtige Rolle spielt hierbei unsere Innovation Community. Das ist eine offene, globale Community für alle, die sich mit Innovation beschäftigen – im Tagesgeschäft oder einfach aus Interesse. Organisiert ist sie über Teams und SharePoint.
Wir geben dort regelmäßig Impulse: mit kurzen Learning Nuggets, Podcasts, How-to-Papern im Rahmen von Themenmonaten, zum Beispiel zu Geschäftsmodellentwicklung, additiver Fertigung oder Wissensmanagement. Wichtig ist uns immer der Bezug zur eigenen Arbeit: Was bedeutet ein Trend oder eine Methode konkret für mich? Wo gibt es vielleicht schon eine Idee oder ein ähnliches Projekt? Somit teilen wir nicht nur Best-Practice-Lösungen, sondern schaffen unter anderem auch Synergien und vermeiden Doppelarbeit.
Der zentrale Gedanke dahinter ist: Innovation passiert überall bei KSB. Unsere Aufgabe ist es, diese Themen zu vernetzen, sichtbar zu machen und ins Unternehmen zu tragen.
"Menschen müssen merken: Meine Idee wird gehört und ernst genommen."
Elke Dörr
Viel wird zurzeit über Innovationen durch künstliche Intelligenz gesprochen. Welche Rolle spielt diese in dieser Community?
Für KI gibt es innerhalb der Community einen eigenen Bereich, weil das Thema mittlerweile eine große Rolle für Innovation und natürlich generell bei KSB spielt. Bezogen auf Innovation kann KI einerseits dabei helfen, Innovationen zu entwickeln, ist andererseits aber selbst Bestandteil vieler innovativer Ideen. Aber auch in diesem Bereich der Community geht es vor allem darum, bestehende KI-Themen und -Projekte bei KSB sichtbar zu machen, Wissen zu vermitteln und Synergien zu schaffen. Schließlich geht es am Ende darum, durch die einzelnen KI-Initiativen Mehrwert zu generieren.
Wir haben beispielsweise alle zwei Wochen einen offenen englischsprachigen Call, in dem Projekte, Plattformen oder Tools aus dem Unternehmen vorgestellt werden. Kolleginnen und Kollegen können auf uns zukommen und sagen: „Wir nutzen hier ein interessantes KI-Tool, das würden wir gerne vorstellen.“ Dann schaffen wir den Rahmen und geben ihnen eine Bühne.
An wen kann ich mich als KSB-Mitarbeiter wenden, wenn ich eine Idee habe?
Ein Weg ist unser Ideenmanagement. Auf dem SharePoint gibt es einen direkten Zugang zu einem Portal. Dort gebe ich meiner Idee einen Titel, beschreibe sie kurz und kann gegebenenfalls noch Quellen hinzufügen. Die Ideenmanager schauen sich das an und leiten potenzielle Innovationsprojekte an uns weiter.
Man kann uns aber auch bei innovativen Ideen direkt ansprechen. Wir hören uns die Idee oder Fragestellung an und stellen dann die Fragen, die für die weitere Einordnung wichtig sind, und zeigen die Möglichkeiten auf.
Eine noch unfertige Idee vor anderen zu präsentieren, kann Überwindung kosten. Wie schafft man eine Kultur, in der Menschen sich trotzdem trauen?
Das entscheidende Wort ist Kultur. Man muss einen angstfreien Raum schaffen, in dem deutlich wird: Jede Meinung und jede Idee ist zunächst wichtig und wertvoll. Das bedeutet nicht, dass jede Idee umgesetzt wird. Innovation ist ein Prozess mit verschiedenen Entscheidungspunkten. Es kann auch ein Nein geben. Oder die Entscheidung lautet: Wir müssen noch einmal zurückgehen und etwas verändern. Doch es braucht immer Transparenz und die richtige Kommunikation hierbei.
Und schließlich geht es sehr viel ums Zuhören. Menschen müssen merken: Meine Idee wird gehört und ernst genommen. Natürlich stellen wir auch kritische Fragen. Aber anstatt sofort zu sagen „Das geht nicht“, sollte man zunächst prüfen: Ist das wirklich ein Ausschlusskriterium – oder gibt es vielleicht doch eine andere Perspektive?
Welche Momente Ihrer Arbeit genießen Sie besonders?
Es sind diese Momente, in denen jemand zu mir sagt, ich habe ihn durch irgendeine Art von Unterstützung weitergebracht. Manchmal ist es nur ein Kontakt, manchmal ist es ein Konzept, manchmal ist es einfach nur ein Austausch. Irgendetwas, durch das ich jemanden einen Schritt weiterbringe, den er ohne mich nicht gegangen wäre. Ja, das macht mich stolz.
Ich lerne tagtäglich dazu, und das liebe ich an meinem Job. Immer wieder werde ich vor neue Herausforderungen gestellt, muss mich immer wieder in neue Themen einlesen und darf mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten. Und das macht unfassbar viel Spaß.
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