Philippe Olivier mit Brille, dunkelgrauem Blazer und blauem Hemd, im Hintergrund sind unscharf Maschinen zu sehen.
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„Australien und Neuseeland sind sich kulturell in vielem ähnlich, sind aber zwei sehr unterschiedliche Märkte.“

 
Australien und Neuseeland mögen wohl für ihre weiten Landschaften und ihren entspannten Lebensstil berühmt sein, KSB sieht in dieser Region jedoch vor allem jede Menge Chancen. In diesem Interview spricht Philippe Olivier, Geschäftsführer von KSB Australien und Neuseeland, über den Stellenwert von Bergbau, den steigenden Bedarf an Wasser- und Abwasserlösungen und darüber, wie sich die beiden Länder in vielem kulturell ähneln und wie sehr sie sich dennoch als Märkte voneinander unterscheiden. 
Stream of Stories: Herr Olivier, nicht viele Länder werden so sehr mit atemberaubenden Landschaften und einem entspannten Lebensstil assoziiert wie Australien und Neuseeland. Sie arbeiten jetzt seit beinahe vier Jahren dort. Inwiefern entspricht dieses Bild der Wahrheit?
Philippe Olivier: Schön sind beide Länder auf jeden Fall. Es gibt viel zu sehen, die Küsten sind wunderschön, und es ist meistens gutes Wetter. Die Menschen sind sehr freundlich und heißen alle Nationalitäten willkommen. Leider konnte ich bislang nicht viel reisen, da mein Verantwortungsbereich bei KSB sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich hatte allerdings schon das Vergnügen, mit meiner Familie einige der Highlights von Queensland zu erkunden, darunter das Great Barrier Reef und Hamilton Island.
Sie haben in ihrer Berufslaufbahn schon in sehr verschiedenen Ländern und Kulturen gearbeitet, nämlich in Frankreich, China, Indonesien und jetzt Australien. Was haben Sie vom Leben und Arbeiten in diesen unterschiedlichen Ländern gelernt?
Ich denke, das Wichtigste ist es, zuzuhören und aufgeschlossen zu sein. Mit jedem Umzug entdeckt man eine komplett neue Umgebung: neue Menschen, eine neue Kultur, eine neue Lebensweise und neue Regeln.
Wenn ich irgendwo neu ankomme, versuche ich nicht, anderen meine Vorstellungen aufzuzwingen, sondern ich möchte die Situation, den Ort, in dem ich lebe, und die Menschen vor Ort verstehen lernen. Es war mir schon immer wichtig, dass mich die Menschen nach einigen Monaten als Teil ihrer Gemeinschaft sehen.
Ich habe viel gelernt und hatte Erlebnisse, die ich mir nie erträumt hätte. Ich bin immer noch mit ehemaligen Kollegen und Freunden in China und Indonesien in Kontakt. Das bedeutet für mich, dass ich auch Teil ihres Lebens geworden bin, zumindest für eine Weile.
Ein fantastisches Erlebnis für mich, das ich jedem unbedingt empfehlen würde. KSB ist ein tolles Unternehmen für solche Möglichkeiten. 

Drei Jahrzehnte, vier Kontinente: Philippe Olivier

Philippe Olivier ist seit 2023 Geschäftsführer für Australien und Neuseeland. Der Franzose, dessen berufliche Laufbahn in Frankreich begann, arbeitet bereits seit fast 30 Jahren für KSB. Seit 2010 ist er im Ausland tätig. Bevor er nach Australien zog, wurde er in China und Indonesien eingesetzt. Seine internationale Erfahrung und Offenheit anderen Kulturen gegenüber prägen auch seinen Führungsstil: Es geht ihm dabei um das Zuhören, Verstehen und Anpassen an Menschen und Märkte. Am 1. März 2027 kehrt Philippe Olivier nach Frankreich zurück. Dort wird er die Leitung des KSB-Werks in Lille sowie Pumps Operations Westeuropa übernehmen. Wenn er dieses neue Kapitel beginnt, bringt er nicht nur die während seines Berufslebens gesammelten Erfahrungen mit, sondern auch die Freundschaften, Erinnerungen und Kontakte, die er während dieser Zeit aufgebaut hat. Sein echter Sinn für Gemeinschaft hat überall Eindruck hinterlassen und wird ihn zweifellos auch in Frankreich begleiten. 
Philippe Olivier mit gelbem Sicherheitshelm, blauem Hemd und reflektierenden Leuchtstreifen
Was sind die wichtigsten Dinge, die man über den australischen Markt wissen sollte?
Erstens ist Australien sehr auf Bergbau fokussiert. KSB verkauft hier hauptsächlich Feststoffpumpen, auch Slurry-Pumpen genannt, wie die Baureihe MDX von KSB GIW. Sie werden zur Förderung hochabrasiver Mischungen aus gebrochenem Erz und Wasser eingesetzt.
Bauteile wie das Laufrad oder das Gehäuse sind dabei auf Verschleiß ausgelegt, denn für Bergbauunternehmen hat die Minimierung von Stillstandszeiten höchste Priorität. Wenn eine Pumpe ausfällt und die Produktion zum Stillstand kommt, kann das täglich Millionen von Dollar kosten.
Das heißt, wenn eine Slurry-Pumpe einmal installiert ist, benötigt sie kontinuierliche Wartung und Ersatzteile. Im Bergbau geht das Geschäft daher weit über den ursprünglichen Verkauf eines Produkts hinaus. Deswegen ist auch KSB SupremeServ so wichtig: Wenn man Pumpen verkauft  – vor allem Feststoffpumpen – und keine starke Serviceorganisation im Rücken hat, sind Probleme vorprogrammiert.
Um das Geschäft auszubauen, muss man im Vertrieb proaktiv agieren und Lieferverträge für Pumpen sichern. Das ermöglicht anschließend den Verkauf von Service und Ersatzteilen für die nächsten 10, 20 oder sogar 50 Jahre.
Könnten Sie uns eine Vorstellung davon geben, wie ein solcher Bergbaustandort aussieht?  
Das ist tatsächlich sehr beeindruckend. Stellen Sie sich ein gigantisches Loch in der Erde vor, in dem überall viele LKW herumfahren, und zwar Tag und Nacht. Die Mine kommt nie zur Ruhe. Es handelt sich um extrem abgelegene Standorte, wirklich mitten im Nirgendwo. Mit dem Auto sind es oft 600 oder 700 Kilometer zur nächsten Stadt. Aus diesem Grund gibt es Fluggesellschaften, die sich mit kleinen Flugzeugen auf die Beförderung von Bergbaupersonal zu den Minen spezialisiert haben. Wenn unsere Servicetechniker vor Ort im Einsatz sind, übernachten sie auch auf dem Gelände, weil keine anderen Unterkünfte zur Verfügung stehen. 
Der Boom bei Elektrofahrzeugen hat zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach Lithium und anderen Batteriemetallen geführt. Inwiefern betrifft diese Entwicklung den Bergbau in Australien? 
Die Rohstoffpreise sind der Haupttreiber. Mit der gegenwärtigen Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigen auch die Preise für Metalle wie Lithium, Nickel und Kupfer. Diese Metalle erleben momentan definitiv einen Boom, ebenso wie Gold. Das heißt, alle Betreiber möchten ihre Produktion zurzeit maximieren und fahren ihre Ausrüstung am Limit. Deshalb erhalten wir oft Anfragen, ob zum Beispiel eine Pumpe, deren Wartung normalerweise nach 30 Wochen ansteht, auch 40 Wochen bis zur nächsten Wartung laufen könnte.
Ein steigender Metallpreis kann auch dazu führen, dass zeitweilig stillgelegte Minen wieder in Betrieb genommen werden. In den meisten Fällen wurde die Produktion nicht deshalb eingestellt, weil es nichts mehr abzubauen gab, sondern weil der Abbau sich nicht mehr rentiert hat. Wenn der Preis steigt, kann so eine Mine durchaus wieder profitabel werden. Sobald die Finanzierung gesichert ist, geht alles sehr schnell. Das Unternehmen benötigt dann vielleicht plötzlich innerhalb einer Woche ein Angebot. 
Drei Industriepumpen mit orangen Elektromotoren und blauen Bauteilen auf dem Testfeld von KSB in Bundamba

Das modernisierte KSB-Testfeld in Bundamba unterstützt den wachsenden Bedarf auf dem Wassermarkt. Automatisierte Prüfungen, Echtzeit-Überwachung und Fernzugriff tragen zur Erhöhung der Kapazität und zu schnelleren Reaktionszeiten bei. 

Der Bergbau in Australien ist stark vom Wettbewerb geprägt. Wie hebt sich Ihrer Meinung nach KSB vom Wettbewerb ab? 
Ein Vorteil, den wir gegenüber unseren Wettbewerbern haben, ist unser umfangreiches Produktportfolio, von dem im Bergbau vieles zum Einsatz kommt. Eine Mine ähnelt gewissermaßen fast einer Kleinstadt. Sie kann zum Beispiel ein eigenes Kraftwerk oder auch Anlagen zur Wasser- und Abwasseraufbereitung umfassen. Daher können wir über die Feststoffpumpen hinaus auch ein Komplettpaket mit allen benötigten Pumpen und Armaturen anbieten.
Speziell bei den Feststoff- oder Slurry-Pumpen sind bereits einige Wettbewerber mit starken australischen Wurzeln und lokaler Produktion sehr gut etabliert. Wir besuchen die Minenbetreiber und deren Auftragnehmer daher regelmäßig. Unter dem Titel “Lunch and Learn” veranstalten wir spezielle Treffen, bei denen wir die neuesten Technologien unseres Feststoffpumpenprogramms vorstellen, die den Zeitaufwand für die Wartung verkürzen können.
Sehr hilfreich ist auch, dass KSB ein globales Unternehmen mit Erfolgsgeschichten auf der ganzen Welt ist. Die Bergbauindustrie ist wie eine kleine Familie. Es gibt nur eine Handvoll Global Player. Wir haben beispielsweise dieselben Kunden in Chile, Argentinien, den USA und Kanada. Bei einem Kundenbesuch können wir so berichten, dass wir eine Mine in Kanada mit einer ähnlichen Pumpe beliefert und dadurch die Standzeit um 50 Prozent erhöht haben. Solche Erfolgsgeschichten spielen eine große Rolle, weil sie das Vertrauen des Kunden in die Zusammenarbeit mit KSB stärken.
Abwasser ist ebenfalls ein bedeutender und wachsender Markt für KSB. Sie haben gerade Ihr Werk in Bundamba erweitert. Was treibt dieses Wachstum im Abwasserbereich an? 
Australien hat einen enormen Bedarf an Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Die Bevölkerung wächst weiterhin um ca. 1,5 Prozent pro Jahr, hauptsächlich durch Einwanderung, und ein Großteil dieses Wachstums findet rund um Städte wie Brisbane und Sydney statt. Diese Gebiete benötigen daher zusätzliche Wasserinfrastruktur.
Da gleichzeitig Wasserknappheit in Australien ein großes Thema ist, gewinnt Abwasserrecyling immer mehr an Bedeutung, vor allem in Orten wie Brisbane.
Das ist einer der Gründe, warum wir in Bundamba investiert und unsere Produktions- und Servicefläche von 8 000 auf 12 000 Quadratmeter erweitert haben. Diese Erweiterung erhöht unsere Kapazität, hilft uns, Kundenwünsche schneller zu erfüllen und mehr Produkte und Ersatzteile vor Ort auf Lager zu haben.
Der hervorragende Ruf von KSB in Bezug auf Service trägt maßgeblich zu dieser Chance bei. Wir werden von Kunden kontaktiert, die mit dem Service ihrer gegenwärtigen Lieferanten unzufrieden sind. Manche kommen direkt auf den Punkt und sagen: „Wenn Sie die Pumpen zu einem vergleichbaren Preis liefern, aber einen besseren Service bieten können, sind wir bereit zu wechseln.“ Deswegen ist auch KSB SupremeServ so wichtig.
„In fünf Jahren wollen wir einer der Marktführer für Wasser und Bergbau sein.“
Philippe Olivier 
Portrait von Philippe Olivier mit Brille, dunkelgrauem Blazer und blauem Hemd
Wie unterschiedlich sind aus Ihrer Sicht Australien und Neuseeland – sowohl kulturell als auch marktbezogen?
Kulturell sind sie sich sehr ähnlich. Wenn ich zum Beispiel von Australien nach Auckland fliege, fühlt es sich nicht so an, als wäre ich in einem anderen Land.
Aber die Märkte sind definitiv sehr unterschiedlich. Bergbau spielt auf dem neuseeländischen Markt keine große Rolle. KSB Neuseeland bedient hauptsächlich den Wassersektor, wobei die Kunden in der Wasserversorgung von Gemeinden tätig sind. Es gibt viele wasserbezogene Projekte, die KSB Neuseeland mit unseren Standardpumpen beliefert.
Der breitere Industriemarkt in Neuseeland ist auch ganz anders. Dank des gemäßigten Klimas und der üppigen Regenfälle eignet sich Neuseeland bestens für die Viehwirtschaft. Das Land ist in der Tat der weltweit größte Exporteur von Milchprodukten. Die riesige Milch- und Lebensmittelindustrie hat einen starken Bedarf an Hygienepumpen. 
Wo sehen Sie vorausblickend auf die nächsten fünf Jahre KSB in Ihrer Region?
Das Ziel für KSB Australien ist es, in fünf Jahren einer der Marktführer für Pumpen im Wasser- und Bergbausektor zu sein. Im Abwasserbereich wäre ein Marktanteil von 20 bis 30 Prozent eine großartige Leistung – und ein oder zwei weitere Service-Standorte würden es uns ermöglichen, unsere Kunden über KSB SupremeServ direkter vor Ort zu unterstützen. Im Bergbau wollen wir die Bestandspopulation unserer Slurry-Pumpen erhöhen. Das wird allerdings nicht mehr unter meiner Leitung passieren. Ich kehre nächsten März nach Frankreich zurück, um die Verantwortung für das KSB-Werk in Lille und Pumps Operations Westeuropa zu übernehmen. 
Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie wieder in Europa leben?
Ganz sicher werde ich Australien selbst und seine Menschen am meisten vermissen. Ich bin mir sicher, dass meine Familie und ich auch in Zukunft ab und zu dort Urlaub machen und die atemberaubenden Landschaften dieses Landes weiter erkunden werden.

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