Gewappnet für das Jahrhunderthochwasser

Eine Flutkatastrophe wie im Jahr 2013 darf sich in Landshut nicht wiederholen: Dies hatte die Stadtverwaltung beschlossen, bevor 2018 ein Bauprojekt an den Start gebracht wurde, das die niederbayerische Stadt zukünftig besser vor den Folgen eines Hochwassers schützen soll. Vor allem hinsichtlich des Klimawandels und den damit zunehmenden Starkregenereignissen war es dringend geboten, für extreme Wetterphänomene in der Zukunft gewappnet zu sein.

Das Projekt: Hochwasserpumpwerk für Landshut

Wenn es bei Starkregenereignissen gleichzeitig zu einem Hochwasser der Isar kommt, kann das zu teilweise massiven Überlastungen des Kanalnetzes führen. Aufgrund der hohen Pegelstände der Vorfluter wie Isar, Flutmulde mit Pfettrach u.a. wird eine planmäßige, wasserrechtlich genehmigte Entlastung des stark verdünnten Mischwassers in diese Gewässer erschwert oder ist gar nicht mehr möglich. Im Jahr 2013 wurde dieses Szenario Wirklichkeit und die bis dahin bewährten Systeme wurden vor allem durch das Isarhochwasser überlastet. Die Flutmulde war mit Wasser aus der Isar fast bis zum Rand gefüllt, Straßen wurden überschwemmt und Teile des Industriegebietes waren nicht mehr befahrbar.

Das neue Pumpwerk der Stadt Landshut an der Liebigstraße soll für diesen Katastrophenfall gebaut werden. Es soll dann zum Einsatz kommen, wenn alle Reservoire wie Regenüberlaufbecken und Stauraumkanäle vollgelaufen sind, die planmäßigen Vorfluter wie hier die Flutmulde aufgrund des Hochwassers ebenfalls voll sind, zur Entlastung also nicht zur Verfügung stehen und die Wassermassen aus dem Kanalsystem deshalb nicht mehr schnell genug abfließen können.

Der Kunde: Stadtwerke Landshut

Die Stadtwerke in Landshut versorgen rund 40.000 Haushalte mit Strom, Erdgas, Wasser und ca. 4.700 Haushalte mit Fernwärme. Über ein rund 370 Kilometer langes Kanalnetz sammeln und transportieren sie Schmutz- und Regenwasser, welches in Mischwasserkanälen zur Kläranlage nach Landshut-Dirnau geleitet oder das Regenwasser in Trennsystemgebieten in reinen Regenwasserkanälen direkt in nahegelegene Flüsse und Bäche oder in Versickerungsanlagen in tiefere Bodenschichten eingeleitet wird. An das Klärwerk sind neben der Stadt Landshut auch noch 4 Nachbargemeinden mit angeschlossen, sodass hier das Abwasser von in Summe ca. 91.100 Einwohnern (Stand Ende 2019) behandelt und gereinigt wird.

Wasserablaufbecken im Hintergrund, davor Rohrschächte zu den Pumpen

Wasserablaufbecken, davor Rohrschächte zu den Amacan-Pumpen

Die Herausforderung: Für den Katastrophenfall gerüstet sein

Der Ernstfall, also übermäßig hoher Wasserzufluss innerhalb kürzester Zeit, lässt sich im Vorfeld oft nur am Computer simulieren. Viele Städte versprechen beim Überflutungsschutz auch keine 100%ige Sicherheit. Aus wirtschaftlichen und technischen Gründen sind deren Abwasserkanäle generell für außergewöhnlich starke Niederschläge wie sie alle paar Jahre vorkommen dimensioniert, aber nicht für einen Jahrhundertregen. Landshut hatte jedoch den Anspruch, 100% Sicherheit bei vertretbarem Investitionsaufwand zu gewährleisten. Fest stand, dass der Bau dieser Anlage die Abwassergebühren der angeschlossenen Haushalte nicht erhöhen sollte. 

Die Lösung: Hochleistungspropellerpumpen von KSB

Im vorliegenden Fall konnte das ausführende Ingenieurbüro Lichtenecker & Spagl GmbH auf Daten zurückgreifen, die die Flutkatastrophe von 2013 geliefert hatte. So konnten tatsächliche Wassermengen und Strömungsverläufe in die Planung des neuen Hochwasserpumpwerks mit einbezogen und Anlage und Technik entsprechend dimensioniert werden.

Das Hochwasserpumpwerk soll dann zum Einsatz kommen, wenn das überschüssige Wasser aus dem Regenüberlaufbecken aufgrund Hochwassers nicht mehr schnell genug in den Vorfluter ablaufen kann. Dieses überschüssige Wasser wird in der Folge durch drei große Rohre in die unterirdisch angelegte Pumpanlage geleitet und fließt anschließend zu den Amacan-Hochleistungspropellerpumpen von KSB. Zwei davon sind im Ernstfall permanent in Betrieb, die dritte dient lediglich als Redundanz. Im Ausnahmezustand kann das Wasser den Stauraum unter der Erde bis zu 3 m hoch füllen, dann wird es von den beiden Pumpen angesaugt und aus einer Tiefe von 5 m an die Oberfläche gepumpt, wo es über ein Auslaufbauwerk geregelt in die Pfettrach (Flutmulde) ablaufen kann. Jede der KSB-Pumpen kann dabei pro Sekunde bis zu 1m3 Wasser ansaugen.

Die Amacan P Tauchmotorpumpe ist wie geschaffen für diesen Einsatz: Sie besitzt eine Gleitringdichtung in Tandemanordnung zum Schutz vor Faserstoffen und hochwertige, verschleißfeste Gleitwerkstoffe. Damit ist sie auf einen langjährigen störungsfreien Betrieb ausgelegt und eignet sich perfekt für den festen Einbau in den nur schwer zugänglichen Rohrschacht.

Die gesamte Anlage ist auf mindestens 50 Jahre ausgelegt, auch wenn bei allen Beteiligten der Wunsch vorherrscht, dass sie nur selten zum Einsatz kommen muss. Doch wenn es dann soweit ist, wird sie jeweils innerhalb von Sekunden hochgefahren und muss sich ohne Abstriche bewähren. KSB hat dafür gesorgt, dass man diesem dramatischen Moment vergleichsweise gelassen entgegenblicken kann.

Konstruktionsplan des Ingenieurbüros mit Darstellung des Einbaus der Amacan P Tauchmotorpumpen mit Wasserablauf

Einbau der Amacan P Tauchmotorpumpen und Wasserablauf grafisch dargestellt

Zahlen I Daten I Fakten

Anlage: Hochwasserpumpwerk
Endkunde: Stadtwerke Landshut

Projektdaten
3x Amacan P – Tauchmotorpumpe mit Axialpropeller
Förderstrom: bis 7.000 l/s
Förderhöhe: bis 12 m